LehensbildDie Gemarkung des Hofes wurde schon vor 600 Jahren erwähnt. Im Jahr 1363 erwarb das Kloster Königsbronn die zu "Eegarden" gelegenen Felder von dem bisherigen Eigentümer Ritter Fritz von Scharenstetten. Ein größerer und wohl auch stabilerer Gebäudekomplex entstand auf dem "Eegardhof" in den Jahren 1534/40. Von 1554 an wurde der Hof nicht mehr direkt vom Kloster aus bewirtschaftet, sondern als Lehen vergeben. Nach einem noch vorhandenen Lehensbrief aus dem Jahr 1782 vergab damals der Herzogliche Kirchenrat das Gut an einem Johann Christoph Kopp. Aus dem "Eegardenhof", welche Bezeichnung noch auf alten Karten zu finden ist, war unterdessen der "Seegartenhof" geworden.

Nach der Aufhebung des Klosters und Übernahme durch den Staat wurde der Gutshof zunächst verpachtet. Als Pächter bis 1845 ist Friedrich Graf bekannt, dessen Nachkommen später als Eigentümer erscheinen. Nach Friedrichs Tod erwarb jedoch zunächst ein gewisser Karl Heinrich Graesle den Seegartenhof. Graesle offenbart sich in seinen Aufzeichnung aus jener Zeit als kundiger und scharf beobachtender Landwirt und als streitbarer Amateurjurist, der seine Rechte in Prozessen erfolgreich verteidigt.
LehensbildDas hofeigene Katasterrecht war ihm nach seinen Angaben um 1850 von der Gemeinde Königsbronn genommen worden. Auf seine Klage wurde ihm dieses Recht von der Kreisregierung Ellwangen wieder zugesprochen und die Gemeinde habe im 200 Gulden zuviel erhobene Steuer herauszahlen müssen. Auch um seine Obstbäume an der Staatsstraße kämpfte Graesle erbittert. "Laut Wegordnung vom Jahr 1808 sind an den Staatsstraßen von den anstoßenden Gutsbesitzern Obstbäume zu setzen und zu unterhalten. Es stehen auf dem Hof längs der Staatsstraße 133 Bäume", so liest man in seinen "Memoiren". Graesle schildert, wie er zur Zeit der Kirschenreife einen Königsbronner Bürger auf einem solchen Kirschenbaum getroffen habe. Dieser habe sich damit gerechtfertigt, die Kirschen auf dem Rathaus gekauft zu haben. Der Schultheiß habe das bestätigt unter Hinweis auf eine Anordnung des Oberamts Heidenheim. Dort könne sich Graesle beschweren. "Ich werde mich allerdings beschweren", habe er geantwortet, "aber nicht beim Oberamt". Er wisse wohl, daß der Oberamtmann unter derselben Decke stecke, daher gehe er zum Oberamtsgericht. Von dort habe er Recht bekommen.
Von der Milcherzeugung hielt Graesle nicht viel. "Milch kann man in Königsbronn nicht anbringen, ein Käser ist nicht dort, und die Bürger haben meistens selbst Vieh im Stall." Er verlegte sich mehr auf die Jungviehaufzucht. Er scheint durch Verkauf von Feldfrüchten und Aufzuchtvieh ein wohlhabender Mann geworden zu sein.
In seinen Aufzeichnungen philosophiert Graesle auch über die richtige Wahl bei der Heirat und über die Verpflegung und Behandlung seiner Dienstboten. Ausgang für diese gab's normalerweise nur sonntags, wozu sie von ihrem Chef nur wenig Geld von dem verwahrten Jahreslohn erhielten - zwecks Sparens für die Altersversorgung. Jeden Abend 21:00 Uhr wurde die Haustür für alle dichtgemacht. Es hat sich mancherlei geändert seit 1850!

Graesle blieb kinderlos und übergab den Seegartenhof großzügigererweise an Andreas Graf, Sohn des früheren Hofpächters. Während dessen Mitgliedschaft beim württembergischen Landtag wurde der Seegartenhof auf höhere Anweisung gelegentlich zum Haltepunkt der Königlich-württembergischen Staatseisenbahn, um dem gewichtigen Abgeordneten die Fahrt zu den Sitzungen in der Residenz zu vereinfachen.

LehensbildNachfolger von Andreas Graf wurde dessen Sohn Alfred. Dieser verkaufte den Segartenhof 1957 an Wilhelm Dingler. Sofort wurde eine große Scheune mit Getreidesilos errichtet. Als dann in der Nacht zum Erntedankfest 1960 das Wohnhaus mit angebautem Viehstall größten Teils durch Brand vernichtet wurde, entstand das heutige hübsche Wohngebäude, und auch der Viehstall erfuhr eine sehr geräumige Neugestaltung.
Wilhelm Dingler entstammt einem alten Schwarzwälder Bauerngeschlecht, das jahrhundertelang in Calw ansässig war. Der Großvater vertrat als Reichstagsabgeordneter seinen Berufsstand. Infolge umfangreicher Bauten von Kasernen und Siedlungen wurde die Familie zusammen mit den sechs letzten Stadtbauern aus Calw verdrängt. Der Großvater mütterlicher Seits stammt aus Mergelstetten und wurde Pächter auf der staatlichen Domäne Neuhaus bei Mergentheim. Er machte sich in der würtembergischen Landwirtschaft einst einen Namen als Züchter von Dinkel- und Braugerstesorten. Im hohen Alter von 86 Jahren schrieb er noch aus dem Gedächtnis seine Lebenserinnerungen. Man erfährt daraus, daß sein Vater in Mergelstetten eine kleine Landwirtschaft und Webarbeit betrieb. Letztere gab er auf, als im verschiedene Ämter übertragen wurden. Er war langjähriges Mitglied des Gemeinderates, Gemeindepfleger, Waldmeister und schließlich stellvertretender Schultheiß in Mergelstetten bis zu seinem Tod 1870. Auch erzählt er von der Anschaffung einer Petroleumlampe, der ersten in Mergelstetten, die von der Bevölkerung vor dem Fenster gebührend bestaunt wurde und sehr rasch "Zuwachs" erhielt.
Wilhelm Dingler bewirtschaftete den 35 Hektar umfassenden Seegartenhof mit seiner ebenfalls aus dem Schwarzwald kommenden Ehefrau Helene Mast mit Umsicht und Erfolg. Die freundliche und umtriebige Familie hat in der neuen Heimat rasche Anerkennung gefunden, was sich auch schon vor Jahren durch die Wahl von Wilhelm Dingler zum landwirtschaftlichen Ortsobermann der Gemeine äußerte. Im Jahr 1999 übergab Wilhelm Dingler den Hof offiziell an seinen Sohn Michael. Doch von Ruhestand kann auch seither noch lange keine Rede sein, da das Seniorenehepaar auch weiterhin kräftig mit Hand anlegt und Michael und seiner Frau Christine beim Betrieb des Hofes unterstützt.

Quelle: "Bauernhöfe im Kreis Heidenheim" von Otto Veil erschienen 1982 im Hans-Joachim Kopp - Verlag